Das Kollegium mitnehmen:
(Mikro-)

Fortbildungen
an der eigenen Schule

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Ideen & Impulse: Was kann ich konkret an meiner Schule umsetzen?

Genug zum theoretischen Hintergrund. Du willst loslegen und suchst Ideen für konkrete Umsetzungen? Sicherlich haben wir an unserer Schule (noch) nicht den goldenen Pfad gefunden, wir haben in diesem Feld jedoch schon vieles ausprobiert. Die folgenden Erfahrungen und Impulse können dir hoffentlich erste Ansätze bieten.

 

1. Mikrofortbildungen

Hierbei handelt es sich um kurze, schulinterne Fortbildungsblöcke, die in der Regel von Mitgliedern des eigenen Kollegiums angeboten und in den Schultag integriert werden.

Ich empfehle hierbei eine Länge von 15 – 45 Minuten. Es geht darum Impulse zu setzen und niedrigschwellige Angebote zu präsentieren. Letzteres bedeutet aber nicht, dass es sich nur für Anfänger eignet. Alle "Niveaustufen" und "Anforderungsbereiche" sind hier denk- und umsetzbar.

 

Will man Mikrofortbildungen an der Schule langfristig etablieren, hilft es zunächst einen Namen für das Projekt zu finden. In unserem Fall ist es der "Medienmittag".
Außerdem kann ein klarer Rahmen helfen – z.B. ein fester Ort sowie eine feste, regelmäßige Zeit.

Die Teilnahme sollte freiwillig sein. Zudem sollte eine (niedrige) Mindestteilnehmerzahl festgelegt werden. Bei uns liegt diese bei fünf Personen.

 

Ein Schwerpunkt für eine Mikrofortbildung sollte nicht zu groß gewählt werden. Die Gefahr besteht darin, dass die festgelegte Zeit überzogen wird, die Inhalte "gehetzt" wirken oder die Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Workshop mit einem Gefühl der Überforderung verlassen.

 

Also zum Beispiel lieber kleine Themenbereiche wie "Wie sortiere ich den Home Screen am iPad?" oder "Wie kann ich eine Bildschirmaufnahme mit dem iPad machen?" statt "Grundlagenkurs zum iPad".

 

2. Der Kurskiosk

Eine Weiterentwicklung der schulinternen Mikrofortbildungen stellt der "Kurskiosk" dar. Diese Idee stammt von Sonja Hennig. In ihrem Blogbeitrag ist auch eine Vorlage für den Aushang im Lehrerzimmer zu finden.

 

Das Konzept setzt an verschiedenen Punkten an.

Zunächst soll die Resonanz im Kollegium verbessert werden, indem die Kolleginnen und Kollegen auf zweifache Weise mit eingebunden werden. Zum einen gibt es die Möglichkeit "Fortbildungswünsche" zu formulieren, die dann im Bestfall durch ein Mikrofortbildungsangebot bedient werden und zum anderen wird damit Last von den Schultern des "Organisationsteams" genommen.

In unseren anfänglichen Mikrofortbildungen haben wir überlegt welche Themen die Kolleginnen und Kollegen interessieren könnten und was ihnen weiterhelfen würde. Infolgedessen haben wir auch die Themenauswahl getroffen, Angebote gemacht und die Fortbildungen durchgeführt.

 

Der Kurskiosk bietet die Möglichkeiten Fortbildungsbereiche wahrzunehmen, die vorher übersehen wurden und Angebot und Durchführung müssen nicht zwangsläufig durch die Organisatoren des Kurskiosks selbst gemacht werden, sondern können potenziell von allen Kolleginnen und Kollegen initiiert werden. Dies wiederum sorgt potenziell für ein noch breiteres Angebot an Fortbildungen.

 

3. Selbstlernangebote schaffen

Eine weitere Möglichkeit Kolleginnen und Kollegen fortzubilden, ist die Auswahl von passendem Material zum Selbstlernen.
Zum einen erreichten uns immer wieder (sehr ähnliche) Anfragen zu grundlegenden Funktionen des iPads oder unseres Lernmanagementsystems IServ, die sich leicht vermitteln lassen und für die nicht zwangsläufig eine Mikrofortbildung angeboten werden muss, zum anderen merkten wir, dass teilweise gerade solche Fragen von einigen Kolleginnen und Kollegen nicht gestellt wurden, weil es ihnen unangenehm war diese "fehlenden" Kompetenzen zu offenbaren.

 

In Folge dieser Gegebenheiten haben wir zusätzlich zu den Fortbildungen eine digitale Pinnwand (in unserem Fall nutzen wir den Dienst Padlet) eingerichtet. Dieses Selbstlernangebot trägt bei uns den Namen "Medienmittag online".

Hier finden die Kolleginnen und Kollegen dann zu unterschiedlichen Themen, z.B. "Grundlegende Funktionen des iPads", "Texte richtig formatieren", "Digitale Tools in 90 Sekunden", eine Auswahl an Blogbeiträgen, Erklärvideos oder ähnlichem.

 

Der Link zu diesem Fortbildungsangebot ist eingebettet in unser IServ und somit leicht und schnell auffindbar. Keiner muss "Wissenslücken" offenbaren und kann sich sogar zu Hause auf dem Sofa fortbilden.

 

4. Fortbildungskalender anlegen

In den letzten Jahren hat sich viel getan was Fortbildungen zum Lernen und Lehren mit digitalen Medien angeht. Zusätzlich hat die aktuelle Corona-Krise dies noch verstärkt. Seit kurzem ist das Angebot an entsprechenden Webinaren durch die Decke geschossen.

Dabei ist es manchmal schwierig den Überblick zu behalten.

 

Hier kann es helfen, wenn einer dafür zuständig ist diese Angebote zu sichten und sie in einem digitalen Kalender zusammenfügt. Dieser kann dann von Kolleginnen und Kollegen abonniert werden und sie stellen sich so ihr persönliches Fortbildungsprogramm zusammen.

Das erspart den Lehrkräften das müßige Suchen und Finden von geeigneten Angeboten und nimmt Hürden sich überhaupt erst damit zu beschäftigen.

 

Statt (oder zusätzlich zu) einem Kalender kann man natürlich auch einen wöchentlichen oder monatlichen Fortbildungsüberblick per Mail an das Kollegium versenden.

 

5. One Best Thing

Eine kurzweilige und oft sehr motivierende Methode bietet der Ansatz "One Best Thing". Hierbei wird in nur 180 Sekunden ein digitales Highlight vorgestellt – dies kann z.B. eine App, eine Webseite oder eine praktische Funktion sein.

Innerhalb der kurzen Vorstellungszeit gilt es den Inhalt möglichst motivierend und sinnstiftend vorzustellen. Nach Ablauf der 180 Sekunden sollte tatsächlich gestoppt werden. Auch Nachfragen sollten zunächst abgeblockt werden. Es sollte lediglich ein "Appetizer" sein.

 

Wer sich nun schwer vorstellen kann welche Inhalte sich für dieses Format eignen: bei uns wurden auf diesem Wege u.a. der Classroom Screen, der Zufallsgenerator Decide Now!, die AR-Funktion der Google Übersetzer-App oder die iPad-App Clips vorgestellt.

 

Ich empfehle diese Methode für den Abschluss einer Lehrer- oder Fachkonferenz oder als motivierenden Impuls nach der Mittagspause an einem Schulentwicklungs- oder Fortbildungstag.

 

6. Die Fortbildungs-Challenge

Als in diesem Jahr im Zuge der Corona-Pandemie die Schulen geschlossen wurden, entdeckte man schon innerhalb der ersten Tage zahlreiche "Challenges". Diese Herausforderungen richteten sich in erster Linie an Schülerinnen und Schüler und sollten diese zu sportlicher Betätigung oder zum Lernen motivieren. Die meisten basierten auf Freiwilligkeit und waren so angelegt, dass bei den Aufgaben nicht nur gelernt wird, sondern sie auch Spaß machen sollten.

 

Wir entschieden uns dazu diesen Ansatz auf unser Kollegium zu übertragen und erstellten ebenfalls eine Auswahl an Herausforderungen: die "Fortbildungs-Challenge".

 

In einer Aufgabenübersicht wurden 16 Herausforderungen präsentiert, die nach Schwierigkeit gestaffelt waren. Insgesamt gab es 40 mögliche Punkte zu erreichen.

Die Aufgaben reichten von sehr niedrigschwelligen Angeboten wie "Melde dich bei Padlet an" oder "Erstelle einen QR-Code" bis zu echten Herausforderungen wie "Erstelle einen Stop Motion-Film" oder "Kreiere eine eigene Challenge für deine Schüler".

 

Kein Angebot wurde in letzter Zeit so gut angenommen wie diese Fortbildungs-Challenge. Durch den Wettbewerbscharakter waren einige Kolleginnen und Kollegen sehr motiviert bei der Sache. Das Feedback im Nachhinein fiel ebenfalls sehr positiv aus. Die Krise konnte produktiv genutzt werden.

 

Eine Vorlage für eigene Challenges ist hier zu finden.

 

7. Schülerinnen & Schüler einbinden

Zuvor erwähnte ich wie wichtig und sinnvoll es ist die vorhandene Expertise des Kollegiums zu nutzen. Dieser Gedanke lässt sich natürlich noch ausweiten. Ich plädiere dafür hier mal ganz unkonventionell zu denken: Auch Schülerinnen und Schüler lassen sich nämlich für die Fortbildung der Kolleginnen und Kollegen mit einspannen – und nach meiner Erfahrung tun sie dies sogar mit großer Motivation.

 

Bei der Mediennutzung von Kindern und Jugendlichen herrschen auf Seiten der Lehrkräfte (und Eltern) nämlich viele Vorurteile und Irrtümer. Angefangen beim Mythos des "Digital Natives" bis hin zu altbackenen (und haltlosen) Vorwürfen wie "Die Jugendlichen hängen nur am Handy und gehen gar nicht mehr raus."

 

Unterm Strich lässt sich nämlich festhalten: eine Vielzahl der Erwachsenen hat gar keine Ahnung wie viel Zeit Jugendliche mit ihren Geräten verbringen, wo und auf welche Weise sie diese nutzen und vor allem welche Inhalte sie konsumieren. Hier kann man mit entsprechenden Fortbildungsformaten ansetzen.

 

Bei uns an der Schule haben wir dies mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der "Mediensecurity" (ein Medienpräventionsprojekt unserer Schulsozialarbeitin) gemacht – theoretisch kann man hier aber auch andere interessierte Schülergruppen finden.

 

In einem 60-minütigen Mini-Workshop-Marathon unter dem Titel "Schüler zeigen Lehrern ihre Lebenswelt" haben alle Kolleginnen und Kollegen in Gruppen vier Räume durchlaufen, in denen sie sich jeweils 10 Minuten lang mit einem Aspekt der jugendlichen Mediennutzung befasst haben. Die Themen haben die Jugendlichen selbst gewählt und vorbereitet. YouTube, Snapchat, Fortnite, TikTok und Instagram waren unter anderem dabei in den vergangenen Jahren.

Am Ende steht eine gemeinsame Abschlussrunde, in der noch einmal Fragen gestellt werden können, die die Jugendlichen (in der Regel sehr ehrlich) beantworten.

In sehr ähnlicher Form bieten wir mittlerweile auch einmal jährlich einen großen Elternabend zur "Mediennutzung von Jugendlichen" an.

 

Natürlich ließen sich in dieser Hinsicht auch noch ganz andere Schüler-Lehrer-Workshop-Formate denken. Auch andere Gruppen sind denkbar. Vielleicht macht es zum Beispiel Sinn Kooperationspartner der Schule bei der internen Fortbildungsplanung zu berücksichtigen. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt – und für die Kolleginnen und Kollegen bietet sich die Chance über den Tellerrand zu schauen und neue, motivierende Angebote wahrzunehmen, die sich von der klassischen Lehrerfortbildung unterscheiden.

 

8. Netzwerke bilden

Als letzten Punkt möchte ich die Wichtigkeit von Netzwerkarbeit betonen. Hierin liegen viele Chancen und Impulse für die schuleigene Fortbildungsplanung. Zudem lassen sich Netzwerke auf vielen Ebenen bilden.

 

Zunächst ist es wichtig an der eigenen Schule Mitstreiterinnen und Mitstreiter zu finden, die Lust haben die Schulentwicklung im Bereich des digitalen Lernens voran zu treiben. Dabei geht es noch nicht um konkrete Aufgabenverteilungen, sondern erst einmal darum Kolleginnen und Kollegen mit einer ähnlichen Grundhaltung zu identifizieren, sich mit ihnen auszutauschen und gemeinsam Ideen zu entwickeln.

So initiieren wir bereits erste, kleine Formen der "Fortbildung" – nämlich durch informellen Austausch und kleine "Helferstrukturen". Allein das Wissen wer sich in bestimmten Bereichen gut auskennt und wer welche Apps, Plattformen, Geräte, etc. nutzt, kann enorm hilfreich sein.

 

Ein weiterer sinnvoller Schritt wäre eine Vernetzung im "Nahraum", d.h. in der eigenen Stadt, in der Kommune oder im Kreis.

Scheitere ich mit meinen Fortbildungsimpulsen zunächst noch im eigenen Kollegium, weil die Resonanz bzw. das Interesse an meinen Fortbildungsangeboten zu gering ist? Vielleicht geht es einem Kollegen an der nächstgelegenen Schule ähnlich. Warum sollte man sich also nicht zusammentun und diese Angebote für zwei (oder mehr) Schulen öffnen. Die Fahrtwege sind immer noch gering und die Gruppengrößen möglicherweise lohnenswerter.

 

Dies lässt sich auch noch größer denken, in dem man sich nicht nur stadtweit vernetzt, sondern in größeren Regionen denkt. In Schleswig-Holstein wurde dies bereits durch die IQSH-Medienberater auf den Weg gebracht.

In acht Regionen gibt es seit kurzem regelmäßig die so genannten #EduSH-Netzwerktreffen. Hier findet man dann Gleichgesinnte, die den digitalen Wandel an der eigenen Schule vorantreiben wollen. Man kann sich über Vor- und Nachteile verschiedener Ausstattungsszenarien, die neuesten Apps und Portale im Bildungsbereich oder eben die unterschiedlichen Ansätze der Fortbildungsplanung informieren und austauschen. Das erweitert den eigenen Horizont und man findet unmittelbar Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner zu verschiedenen Themenschwerpunkten.

 

Zudem gibt es ja noch regelmäßig stattfindende Präsenzfortbildungen, bei denen man medienaffine Kolleginnen und Kollegen trifft. Besucht man diese häufiger, wird man feststellen, dass dies ebenfalls ideale Orte zum Netzwerken sind. In der Regel treffen sich dort oft die gleichen Personen wieder. Nutzt man die Pausen zwischen den Veranstaltungen für Gespräche mit anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern lassen sich auch hier Netzwerke innerhalb des eigenen Bundeslandes knüpfen.

 

Genügt einem der schulinterne, regionale und landesweite Austausch nicht und sind länderübergreifende Fortbildungen zu teuer oder zu zeitintensiv, kann man sich auch vom eigenen Arbeits- oder Wohnzimmer aus vernetzen. Das Internet bietet hierfür ideale Voraussetzungen und wenn man weiß, wo man schauen soll, lässt sich in kürzester Zeit ein motivierendes persönliches Lernnetzwerk erstellen.

Ein Beispiel hierfür wäre das #twitterlehrerzimmer (bzw. #twlz). Über diesen Hashtag lassen sich beim Kurznachrichtendienst Twitter eine Fülle an Unterrichtsideen und gedanklichen Impulsen zum Lernen und Lehren mit digitalen Medien finden. Ähnliche Strukturen finden sich auch in anderen sozialen Netzwerken, z.B. das #instalehrerzimmer auf Instagram.

 

Welcher Weg für dich auch immer der richtige sein sollte, eines ist klar: Netzwerken lohnt sich – schulintern, regional, landesweit oder international.